König der Masken, Der (Aktion)

China/Hongkong 1996
ab 9 Jahre
101 Minuten

Anliegen

Thema: Identitätsfindung, Arbeit mit Masken
Kinder spielen gerne mit und in Verkleidungen. Sie probieren aus, wie sie darin wirken, was einen nachhaltigen Eindruck auf andere ausübt, schlüpfen dabei in verschiedene Stimmungen und charakterliche Haltungen. Sie können sich darin "verstecken"
Und dabei ihre Umwelt beobachten, wie auf ihren "Auftritt" reagiert wird.
Die Urmaske aller Masken, die Hand vor dem Gesicht, wird ständig und impulsiv benutzt:
· ANGST - die Hände verdecken die Augen
· VERSCHMITZTES LACHEN - die Hand verdeckt den Mund
· TRAURIGKEIT - das ganze Gesicht wird mit den Händen beschützt
· NICHTS HÖREN WOLLEN - die Ohren werden zugehalten- und die Augen geschlossen

Als erster Schritt wird eine leicht anzufertigende Maske erarbeitet, um genügend Zeit zu haben, mit der Maske zu spielen. Beim Anfertigen sind die Kinder schon dabei zu überlegen, wie ihre Maske wirken soll, welche Farbe dominiert, welche Mimik vorrangig erzeugt werden soll. Das faszinierende Spiel mit der Maske ist in vielen Völkern eine traditionelle Darstellungsform. Maskenspiel ist an Körperspiel gebunden. Mit der Maske wird eine bestimmte Rolle übernommen und durch den Körper ausgedrückt; durch Bewegung zum Leben erweckt. Gesten und Haltungen sind Signale für die Zuschauer, um die Figur zu verstehen. Es erwachen neue gedankliche körperliche und kreative Möglichkeiten in einem, um von sich so ein Stück mehr zu erfahren. Unterstützt wird das Spiel mit der Maske durch Requisiten, Musik, selbst produzierte Klänge, Geräusche. Asiatische Musik steht im Vordergrund, stellt die Verbindung zum Film weiter her.

Die Maske wird als Mittel benutzt, Identitäten zu schaffen und sich selbst ein Stück mehr zu entdecken.
Doggie sucht ein zu Hause, muss dafür ihre Persönlichkeit als Mädchen aufgeben; der Maskenkönig versteckt seine Gefühle hinter
Traditionen und Vorurteilen; Liang, der Frauendarsteller in der chinesischen Oper, kennt diese Zerrissenheit, sein eigenes Ich zu finden. Die Kraft, Konventionen zu überwinden, zu sich selbst zu stehen, wird im Film erzählt. Mit dem Spiel der Masken soll versucht werden, die Geschichte mit ihrem großen Konflikt nachzuvollziehen, durch Assoziationen, Bezügen zu eigenen Erfahrungen herzustellen. Diese ganz andere fremde Kultur Chinas wird beiläufig mit vorgestellt, Interesse geweckt, sich weiter damit zu beschäftigen.

Materialien:
Film incl. Technische Abspielmöglichkeiten
Kassetten / CD Abspielgerät
Diverse Orffsche Instrumente
2 bis 3 Personengroße Spiegel (wenn möglich)
festes Zeichenpapier A4, oder Bastelpapier
Stifte, Scheren, Wachs- oder dicke Filzstifte,
mindestens 2 Locher oder "Klammeraffen"
Paketschnur oder Band- alles entsprechend der Teilnehmeranzahl

Es können auch Halbmasken als "Rohling" vorbereitet werden; dann fallen die entsprechenden Bastelmaterialien weg- wer Lust hat, kann auch mit anderen Materialien experimentieren, wie Butterbrotpapier, dünnen Filzblättern, Packpapiertüten etc.

Als Anhang: Muster für Maskenformen (Halb und Ganzmasken)

Regine Jabin Arbeitsmaterialien

Literaturtipps zum Maskenbau:
Wilfreid Nold, Spiel - und Theateraktionen mit Kindern, H. Hugendubel Verlag München, 1987, 2.Auflage Seiten 50 - 65 Holger Thiesen, Drauflosspieltheater, Beltz Verlag Weinheim

Ablauf der Veranstaltung:
· Warm up zum Maskenspiel
· Maskenbau
· Übungen zum Spiel mit den Masken, eine kleine Szene mit Klängen und Musik, assoziiert
Vom Film ist der Übergang zur
· Filmansicht
Mit anschließender Spontanbewertung

Übungen zum warm up:
Körpersprachliche Übungen zum Erlangen einer Übereinstimmung zwischen Gefühl und Haltung, Gedanke und Gebärden,
"das eigene Ich wiederentdecken", "Das Ich ist ein denkendes Ganzes"
siehe Literaturhinweis: Begleitmaterial "Der Heiratsantrag"

· Anspannung und Lockerung
Einzelne Körperteile werden isoliert und nacheinander angespannt und gelockert (Arme, Beine, Hals, Brust, Bauch...)
· Marionette mit Magnet
Ein vom Spieler bestimmtes Körperteil zieht wie bei einer Marionette den ganzen Körper hinter sich her, um zu einem
imaginären Punkt (kann vom Spielleiter bestimmt werden) zu gelangen.
· Arme und Hände - ein Stimmungsratespiel
Durch Arme und Hände drücken sich die meisten Stimmungen aus; abwehren, umarmen (Hinweis auf Urmaske= Hand bedeckt Gesicht bei Freude, Schmerz, Lachen, Erschrecken....)
Bin ich lustig oder traurig? Ratet es! Im Spielkreis drückt ein Spieler seine Stimmung, sein Gefühl aus, das erraten werden muss. Ist es erraten, zeigt sich, ob das Gefühl für die Zuschauer "echt" oder gekünstelt herüberkam.

Im Raum agieren:
· Ich vertraue dir "blind"!
Körperspiele brauchen Vertrautheit mit den Mitspielern und in dem zu agierenden Raum.
Beides kann miteinander verbunden werden - ein sogenanntes Blindspiel.
· Partnerspiel
5 Paare bilden sich, bestimmen selbst, wer A und B ist. Die weiteren Mitspieler stehen, hocken, sind verbandelt o.ä. im Raum als "Hindernis". Die Haltung ist selbst gewählt. A "blind", B führt A durch den Raum; Wechsel. Neue Paare aus den "Hindernis" Spielern entstehen, das Spiel beginnt wieder. Die ersten A+B - Spieler werden "Hindernis" Spieler...

Worte, die durch den Körper gehen:
· Redewendungen werden als Gruppe in Körpersprache dargestellt, in Stopp and go- Manier gewechselt, z.b.:
"Das liegt mir auf den Magen"
"Jemandem die kalte Schulter zeigen"
"Meine Füße sind wie Blei"
"Vor den Kopf stoßen"
"Die Nase voll haben" "buckeln".....

Pantomimesches Spiel mit Requisiten:
· Stuhlkreis; in der Mitte liegen Requisiten, die zum Teil an die Filmgeschichte "König der Masken " erinnern:
Reisschale, Pinsel, Maske, ein Stück Stoff aus Seide, Zopfgummis....
Ein Spieler nimmt einen Gegenstand und beginnt pantomimisch eine Geschichte zu erzählen, nur als Ausnahme mit Worten!

Einfacher Maskenbau:
Der Maskenbau sollte nicht länger als 30min. in Anspruch nehmen. Der Spielleiter gibt Tipps und Anregungen. Die Vorlagen werden zum Kopieren genutzt oder der "Rohling" ist vorhanden.
Jeder Spielleiter bearbeitet sie nun zu seiner Maske; bitte auf die Befestigungsmöglichkeiten (Loch, Bänder) hinweisen. Das
Basteln der Masken steht nicht im Mittelpunkt, ist aber wichtig, um mit ihr eins zu werden, sie für sich anzunehmen.

Übungen zum Spiel mit der Maske:
· Gehen mit Maske im Raum, ohne den anderen zu berühren; Musik wird als Go and Stopp/freeeze benutzt.
· Gehen im Raum, bei Musik-Stop wird eine Aufgabe gegeben:
Gebt einem Gefühl über euren Körper Ausdruck- Angst, Stolz, Scham, Verlegenheit, Mut, Einsamkeit, Argwohn......
· Die Spieler gehen im Raum. Jeder Spieler ordnet seiner Maske einen Klang, ein Geräusch, ein typisches Wort zu. Dazu können die Orffschen Instrumente eingesetzt werden. Die Spieler zeigen ihre Ideen nacheinander den anderen Spielern.
· Arbeit in kleineren Gruppen zu ca. 4 Personen
Die Spieler entwickeln zu ihren Masken eine Rollenbiographie: wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich, wie stehe ich zu den anderen, was will ich, wie begegne ich anderen?
Dabei können die schon bekannten Requisiten einbezogen werden. Ebenso Orffsche Klänge und Geräusche. Nach ca. 15min.
Individueller Vorbereitungszeit wird eine kleine Spielszene- BEGEGNUNG DER MASKEN- präsentiert.

Die Spiegel im Raum dienen der Selbstkontrolle und Reflektion der Körperbewegungen mit Maske. Die Kinder haben im Spiel mit den Masken eine sehr alte, traditionelle Darstellungsform kennensgelernt, die sich in verschiedenen Kulturen unterschiedlich ausgeprägt hat, z.b.
Europa = altes griechisches Theater, Venezianischer Karneval, Commedia dell árte
Naturvölker/ Indianer = Ahnenmasken, Schamanenkult, Tiermasken, Zauberpriester, Totenmasken
Asien = No- Theater, Peking .- Oper, Topeng (Bali)
Darstellungen, Bilder und Maskenformen gestalten den Aktionsraum, werden von den Spielern wahrgenommen, visuell erfasst und dienen zur Anregung, über die Vielfalt der Masken in der menschlichen Entwicklung nachzudenken.
Den König der Masken, seine Kunst, die es zu erhalten gilt, und sein Leben im alten China lernen die Kinder im nachfolgenden Film genauer kennen.

Nachbewertungsvorschläge:
Möglichkeiten für Spontanbewertungen:
· Abstimmung mit Mimikköpfen (siehe Anhang)
· Satzanfänge werden zum Vervollständigen vorgegeben. Diese können mit Zeichnungen ergänzt werden, z.b.
Die Geschichte war.............
weil. (auch filmische Mittel einbeziehen)
Der Film war recht anschaulich...................
langweilig, weil.......
nicht zu verstehen (warum?)
· Stichwortbewertung:
a) glaubwürdig b) einfallsreich c) wissenswert/ neu für mich d) fantasievoll e) spannend/abenteuerlich f) langweilig g) lustig h) traurig i) ermutigend j) nachdenkenswert k) unverständlich
l) Spielen die Darsteller überzeugend m) Beeindrucken die Bilder und Ausstattung? n) Gefällt die Musik?
o) Würdest du diesen Film mit Freunden noch einmal ansehen? Oder nicht? Warum? p) Für welches Alter würdest du diesen Film empfehlen?
· Standbild und Maske
Das Maskenspiel wird wieder aufgenommen. Die Kinder stellen für sie besonders nachhaltige Bilder/Szenen aus dem gesehenen Film als Standbild dar. Ihre Masken werden dem Bild zugeordnet. Eine kleine Spielszene, von der Filmgeschichte inspiriert entsteht daraus.
· Filmfiguren werden in Maske und Umhang wieder lebendig.
Masken und verschiedene Stoffteile werden dazu benötigt; auch kleine Requisiten unterstützen es, die Charaktere der Figuren
zu erfassen, z.b.
Der Maskenkönig = dunkler, zerfetzter, grober Stoff
Liang, der Frauendarsteller = auffallend glänzender Stoff
Doggie = heller, grober Stoff...
· Für die Filmhandlung einschneidende Szenen werden nachgestellt;
Arbeit in kleineren Gruppen zu ca. 5, das Szenenthema ist auf Blättern vorgeschrieben und wird gezogen; Vorbereitungszeit etwa 15 min.
- Der Maskenkönig zeigt auf dem Marktplatz seine Kunst; er und Liang treffen sich, Liang beschwört den alten Mann, eine Erben für seine Kunst zu suchen.
- Der Maskenkönig sucht auf dem Kindermarkt einen geeigneten Jungen, sieht aber nur Mädchen und findet Doggie.
- Doggie und der alte verstehen sich gut. Doggie wird mit Liebe überschüttet. Doch dann wird Doggie als Mädchen enttarnt.
Sie überredet den Maskenkönig, sie nicht zu verstoßen, sondern als Haushaltshilfe zu behalten.
- Doggie findet einen kleinen Jungen für den Alten. Doch dieser ist entführt worden. Die Polizei nimmt den Maskenkönig fest.
- Doggie holt heldenhaft den König der Masken aus dem Kerker. Der alte Mann denkt über seine Haltung zu Doggie nach. Er und Doggie zeigen auf dem Markt die alte Kunst der Masken.

Literaturnachweis:
Nold, Spiel- und Theateraktionen mit Kinder, Hugendubel 1987
Thiesen, Drauflosspieltheater, Beltz 1993
Praxis Grundschule Juli/ Heft 4 1991, Seite 14
BJF Magazin 2/99, Seite 27
Kinder und Jugendfilm Korrespondenz, Rezension zu "Der König der Masken" von Lutz Gräfe
Begleitmaterial des Carrousel Theater an der Parkaue zu dem Stück "Der Heiratsantrag" von A. Tschechow
Klein und Groß, 48/93

Abstimmung mit Mimikköpfen

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Zeichnung beigelegt